Für del Curto ging alles immer noch besser
Reto Held (links) lenkte das Gespräch so, dass Arno del Curto viele Müsterchen aus seiner Laufbahn preisgab.
Sechsmal trug er den HC Davos zum Meistertitel, fünfmal zum Sieg am hauseigenen Spengler Cup. 22 Jahre lang hielt es Arno del Curto als Trainer der Bündner aus, obwohl ihn die Eishockey-Dorfheiligen erst nach einem halben Jahr überhaupt zaghaft grüssten. Diese und andere Reminiszenzen entlockte Moderator Reto Held am 10. Sportforum des Panathlon-Clubs Solothurn dem mit zunehmender Dauer des Talks immer gesprächigeren Gast. Als Spieler schaffte der Engadiner verletzungsbedingt keine NLA-Karriere. Umso mehr rückte er mit dem HC Davos als Trainer ins Rampenlicht. Dabei tarnte er seine Ambitionen gerne gegenüber den Medien. «In der Schweiz muss man tiefstapeln.» Doch in der Kabine habe er den Titelgewinn jeweils schon als Tarif durchgegeben.
Antrieb für seinen enormen Willen und seine Energie, die er lange Zeit für grenzenlos hielt, war stets sein Streben nach Perfektion. «Es war für mich wie eine Droge.» Diese habe ihn von einem High zum nächsten getrieben und sein Umfeld oft vergessen lassen. Obwohl dem 70-Jährigen der altersbedingte Abbau zu schaffen macht, hat er den Perfektionismus durchaus bewahrt. Bis seine Biografie «Mit Köpfchen durch die Wand» druckreif war, habe sein Verleger durchaus leiden müssen, gestand Arno del Curto.
Als nach eigener Darstellung neugieriger, mutiger Mensch und Optimist, dessen Glas immer halbvoll sei, hatte Arno del Curto einen guten Draht zu den Spielern. «Ich hatte Vertrauen in die Spieler – und sie in mich», bilanzierte er im Solothurner Konzertsaal. Extrawürste habe es unter ihm auch für NHL-Cracks nicht gegeben. Mit Todd Elik blieb ihm ein Akteur in besonderer Erinnerung, weil sich der Kanadier von den Lehren des modernen Eishockeys und vom Sinn des Zusammenspiels unbeeindruckt zeigte. «Er holte die Scheibe vor einem Sturmlauf immer selber hinten raus und machte die eigenen Verteidiger damit überflüssig.»
«Ich habe sicher genug Geld, aber als Trainer war ich lange Zeit zu billig», antwortete Arno del Curto auf die Frage nach dem finanziellen Ertrag seiner erfolgreichen Trainerlaufbahn. Aus Überzeugung zu seinen Wurzeln schlug er einst ein Angebot aus St. Petersburg aus, das ihm den vierfachen Lohn, aber auch Verpflichtungen gegenüber sehr prominenten Trainingswilligen, versprach. Dass er seine Karriere als Coach mit einem missglückten Engagement bei den ZSC Lions 2019 beendete, betrachtet Arno del Curto im Nachhinein eher als Segen. «Es war ideal zum Abschiednehmen.» So konnte er sich vom Eishockey lösen, das er heutzutage nur noch im Rahmen von Olympia, WM und NHL verfolgt.
Das von Bruno Huber (rechts im mittleren Bild unten) und Peter Wüthrich ins Leben gerufene Sportforum ging mit der 10. Austragung definitiv in neue Hände über. Carla Spielmann (in der Mitte des mittleren Bildes), die frühere Präsidentin des PC Solothurn, übernimmt die zentrale Rolle im OK.